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WHO schlägt Alarm: Ebola-Epidemie beschleunigt sich, Impfstoff fehlt

Der Ebola-Ausbruch im Kongo eskaliert und die WHO schlägt auch deswegen Alarm, weil das Bundibugyo-Virus Impfstoffentwickler vor neue Herausforderungen stellt. Der bislang größte Ausbruch des Bundibugyo-Ebolavirus entwickelt sich in der Demokratischen Republik Kongo damit zu einer internationalen Gesundheitskrise. Innerhalb von gut zwei Monaten wurden inzwischen mehr als 3.200 bestätigte Infektionen und über 1.400 Todesfälle registriert. Was Sorgen macht, ist die besonders schnelle Ausbreitung in wenigen Monaten.

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Damit breitet sich die Epidemie schneller aus als frühere Ebola-Ausbrüche im Land und noch dazu mit einem entscheidenden Unterschied: Gegen die Bundibugyo-Variante existieren bislang weder ein zugelassener Impfstoff noch eine spezifische Therapie.

Der Ausbruch konzentriert sich auf die ostkongolesische Provinz Ituri, greift aber zunehmend auf weitere Regionen über. Bewaffnete Konflikte, Vertreibungen, unzureichende Gesundheitsversorgung und unterbrochene Lieferketten erschweren die Eindämmung erheblich. Hinzu kommt, dass viele Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar sind. Nach Angaben internationaler Gesundheitsbehörden entstehen inzwischen zahlreiche Neuinfektionen außerhalb bekannter Kontaktpersonen – ein Hinweis darauf, dass sich das Virus schneller ausbreitet als die klassische Kontaktverfolgung erfassen kann.

Andere Virusart, andere Herausforderungen

Die meisten in den vergangenen Jahren entwickelten Ebola-Impfstoffe richten sich gegen das Zaire-Ebolavirus, darunter auch der zugelassene Impfstoff Ervebo von Merck. Das aktuelle Geschehen wird jedoch durch das Bundibugyo-Virus verursacht, das sich genetisch deutlich unterscheidet. Deshalb ist unklar, ob bestehende Impfstoffe überhaupt einen relevanten Schutz vermitteln. Spezifisch zugelassene Vakzine oder Antikörpertherapien existieren derzeit nicht.

Für die Biotechnologiebranche bedeutet dies eine Rückkehr in den Entwicklungsmodus. Mehrere Forschungsprogramme werden nun beschleunigt. Zu den fortgeschrittensten Kandidaten zählt ein auf der rVSV-Plattform basierender Impfstoff, den die International AIDS Vaccine Initiative (IAVI) entwickelt hat. Merck und Hilleman Laboratories wollen nun klinisches Prüfmaterial herstellen. Parallel unterstützt die Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) weitere Impfstoffprogramme, unter anderem der University of Oxford und Moderna, sowie die Entwicklung antiviraler Wirkstoffe und Antikörper. Erste klinische Studien könnten noch Ende des Jahres beginnen.

Lehren aus der Westafrika-Epidemie?

Die Ebola-Epidemie in Westafrika von 2013 bis 2016 gilt bis heute als schwerster Ausbruch der Erkrankung. In Guinea, Liberia und Sierra Leone infizierten sich mehr als 28.600 Menschen, über 11.300 starben. Erstmals breitete sich Ebola großflächig in dicht besiedelten Städten aus und entwickelte sich zu einer globalen Gesundheitskrise. Die Epidemie löste erhebliche wirtschaftliche Schäden aus und führte zu einem beispiellosen internationalen Forschungsprogramm für Impfstoffe und Therapeutika.

Von Ervebo bis Zabdeno, nur die Impfstoffe helfen jetzt nicht

Aus der damaligen Epidemie gingen die ersten zugelassenen Ebola-Impfstoffe hervor. Den ersten Einmalimpfstoff Ervebo (rVSV-ZEBOV) entwickelte ursprünglich das kanadische Public Health Agency Laboratory; die klinische Entwicklung und weltweite Zulassung übernahm später Merck & Co. (außerhalb Nordamerikas: MSD). Er ist seit 2019 gegen das Zaire-Ebolavirus zugelassen und wird von der WHO für Ringimpfungen bei Ausbrüchen empfohlen. Ebenfalls zugelassen ist das Zweidosis-Schema Zabdeno/Mvabea von Janssen (Johnson & Johnson) in Zusammenarbeit mit Bavarian Nordic, das vor allem für präventive Impfprogramme vorgesehen ist. Beide Impfstoffe richten sich jedoch ausschließlich gegen das Zaire-Ebolavirus und bieten nach heutigem Kenntnisstand keinen ausreichenden Schutz gegen das aktuell im Ostkongo zirkulierende Bundibugyo-Ebolavirus. Genau diese Impflücke zwingt Forschungseinrichtungen und Unternehmen nun dazu, neue, spezifische Vakzine und Therapeutika zu entwickeln.

Belastungsprobe für globale Pandemievorsorge

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) stufen die Lage deshalb als besonders besorgniserregend ein und verweisen auf den dringenden Bedarf an neuen Impfstoffen sowie einer deutlich ausgeweiteten internationalen Unterstützung.

Neben der medizinischen Versorgung verschärft die Epidemie inzwischen auch die humanitäre Lage. Grenzbeschränkungen und Bewegungsauflagen beeinträchtigen Versorgungsketten, während Millionen Menschen in den betroffenen Regionen bereits von Ernährungsunsicherheit betroffen sind. Das Welternährungsprogramm warnt vor einer zunehmenden Überlagerung von Gesundheits- und Ernährungskrise.

Virusvarianten

Bundibugyo statt Zaire: Das Ebola-Virus besteht aus mehreren genetisch unterschiedlichen Virusarten. Die bislang zugelassenen Impfstoffe wurden gegen das Zaire-Ebolavirus entwickelt, das frühere große Epidemien in Westafrika und im Kongo verursachte. Das aktuell zirkulierende Bundibugyo-Ebolavirus unterscheidet sich jedoch so stark, dass vorhandene Impfstoffe und Antikörper nicht ohne Weiteres wirksam sind. Für jede Virusart müssen deshalb eigene Impfstoffe oder breit wirksame Plattformtechnologien entwickelt werden – ein Schwerpunkt der aktuellen Ebola-Forschung.

Auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts gibt es weitere Informationen und Lageberichte zum aktuellen Ausbreitungsgeschehen:

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